Bodenrichtwert

Der Bodenrichtwert ist der durchschnittliche Lagewert des Bodens je Quadratmeter innerhalb einer Zone mit im Wesentlichen gleichen Nutzungs- und Wertverhältnissen — angegeben in Euro pro Quadratmeter, ohne Gebäude.

Ermittelt wird er von den Gutachterausschüssen für Grundstückswerte, unabhängigen Gremien bei den Kommunen und Kreisen, auf Basis der tatsächlich beurkundeten Kaufpreise. Die Werte werden in der Regel zum 1. Januar fortgeschrieben und sind öffentlich einsehbar.

Auf Grund der Kaufpreissammlung sind flächendeckend durchschnittliche Lagewerte für den Boden unter Berücksichtigung des unterschiedlichen Entwicklungszustands zu ermitteln (Bodenrichtwerte). In bebauten Gebieten sind Bodenrichtwerte mit dem Wert zu ermitteln, der sich ergeben würde, wenn der Boden unbebaut wäre. § 196 Abs. 1 Baugesetzbuch (BauGB)

Der letzte Satz ist wichtig: Der Bodenrichtwert gilt auch bei bebauten Grundstücken für den unbebauten Boden. Das Gebäude ist darin nicht enthalten.

Was er aussagt — und was nicht

Der Bodenrichtwert beschreibt ein Richtwertgrundstück: eine gedachte Parzelle mit den für die Zone typischen Eigenschaften, also durchschnittlichem Zuschnitt, üblicher Größe und der angegebenen Nutzungsart. Ihr eigenes Grundstück weicht davon fast immer ab.

Nach oben oder unten wirken zum Beispiel:

Der Bodenrichtwert ist deshalb ein Ausgangspunkt für eine Schätzung, kein Verkehrswert.

Wie der Bodenrichtwert ermittelt wird

Grundlage ist die Kaufpreissammlung: Jeder beurkundete Grundstücksverkauf wird dem Gutachterausschuss gemeldet. Aus diesen realen Preisen — nicht aus Angeboten oder Schätzungen — leitet der Ausschuss durchschnittliche Lagewerte ab.

Dazu fasst er Flächen mit ähnlichen Lage- und Nutzungsmerkmalen zu Bodenrichtwertzonen zusammen. Innerhalb einer Zone gilt ein einheitlicher Wert je Quadratmeter, der das typische Preisniveau dieser Lage abbildet. Die Zonengrenzen folgen nicht immer dem Straßenverlauf — deshalb können zwei Grundstücke in derselben Straße in unterschiedliche Zonen fallen.

Was den Bodenrichtwert beeinflusst

Bodenrichtwert, Bodenwert und Grundstückswert

Drei Begriffe, die oft verwechselt werden:

Begriff Was er bedeutet Wie er entsteht
Bodenrichtwert durchschnittlicher Quadratmeterwert einer Zone vom Gutachterausschuss aus echten Kaufpreisen
Bodenwert Wert des konkreten, unbebauten Grundstücks Bodenrichtwert × Grundstücksfläche
Grundstückswert realistisch am Markt erzielbarer Preis individuelle Bewertung aller wertrelevanten Merkmale

So schätzen Sie den Grundstückswert

Für eine erste Orientierung multiplizieren Sie den Bodenrichtwert mit der Grundstücksfläche. Das Ergebnis ist der Bodenwert:

Bodenrichtwert 300 €/m² × 600 m² Fläche = 180.000 € Bodenwert

Dieser Wert ist bewusst grob. Er berücksichtigt weder die Mikrolage noch die individuellen Merkmale Ihres Grundstücks — Nachbarschaft, Ausrichtung, Lärm, Zuschnitt oder die Nähe zu Kita, Geschäften und Nahverkehr. Diese Faktoren verschieben den erzielbaren Preis oft stärker als der reine Bodenwert.

Grundstücksarten und ihr Wert

Der Entwicklungszustand entscheidet mit über den Preis:

Abgrenzung zum Verkehrswert

Der Verkehrswert (Marktwert) ist der Preis, der sich für Ihr konkretes Grundstück tatsächlich erzielen lässt. Er wird nach ImmoWertV ermittelt und bezieht alle wertrelevanten Faktoren ein — Bebauung, Zustand, genaue Lage und aktuelle Marktlage. Der Bodenrichtwert ist dagegen ein Durchschnitt für eine ganze Zone. Ein Verkehrswertgutachten kann deshalb deutlich vom Bodenrichtwert abweichen.

Boden- und Gebäudewert

Bei bebauten Grundstücken bezieht sich der Bodenrichtwert ausschließlich auf den Grund und Boden. Der Wert des Hauses kommt separat hinzu und wird über das Sachwert- oder Ertragswertverfahren ermittelt.

Wofür der Bodenrichtwert gebraucht wird

Häufige Fragen

Wo finde ich den Bodenrichtwert für mein Grundstück?

Über die Bodenrichtwertinformationssysteme der Länder, häufig unter dem Namen BORIS. Geben Sie dort Adresse oder Flurstück ein und prüfen Sie die Zonenmarkierung genau — die Grenzen verlaufen oft sehr fein. Eine Anleitung steht unter Bodenrichtwert ermitteln.

Ist der Bodenrichtwert der Preis, den ich bekomme?

Nein. Er ist ein statistischer Durchschnitt für eine Zone. Der tatsächlich erzielbare Preis hängt von den Eigenschaften des einzelnen Grundstücks und von der Marktlage ab und kann darüber oder darunter liegen.

Warum kann der tatsächliche Preis über dem Bodenrichtwert liegen?

Wenn die Nachfrage in einer Lage besonders hoch ist oder ein Grundstück Vorteile hat — bevorzugte Mikrolage, guter Zuschnitt, attraktives Umfeld —, wird oft mehr gezahlt, als der Zonendurchschnitt vermuten lässt.

Kann ich den Bodenrichtwert selbst berechnen?

Nein, den Bodenrichtwert legt der Gutachterausschuss fest. Sie können aber den Bodenwert ableiten, indem Sie den Bodenrichtwert mit Ihrer Grundstücksfläche multiplizieren — als grobe Orientierung, nicht als exakte Bewertung.

Gibt es unterschiedliche Bodenrichtwerte innerhalb einer Straße?

Ja. Bodenrichtwertzonen sind nach Lage- und Nutzungsmerkmalen gebündelt und folgen nicht immer dem Straßenverlauf. Schon kleine Lageunterschiede können dazu führen, dass benachbarte Grundstücke in verschiedene Zonen fallen.

Wie oft wird er aktualisiert?

Überwiegend im Zweijahresrhythmus, in vielen Ländern inzwischen jährlich zum Stichtag 1. Januar. Weil die Werte auf vergangenen Verkäufen beruhen, hinken sie dem aktuellen Marktgeschehen etwas hinterher — in schnell wachsenden Regionen ist der Kontext der aktuellen Marktlage deshalb wichtig.

Den Bodenrichtwert zu jeder Adresse liefert grundbuchplus.de direkt — zusammen mit Flurstück, Fläche und einer ersten Wertschätzung, ohne das BORIS-Portal des jeweiligen Landes zu suchen. zur Karte.